Frauen in Führung: Anders und oft besser?
DFK Magazin “Perspektiven” Juni Heft
Studien belegen: Unternehmen sind erfolgreicher mit Frauen in Führungsrollen. Warum beträgt der Frauen-Anteil in leitender Position im deutschen Mittelstand dann nur 16 %?
Helfen männliche Verhaltensweisen, um als Frau erfolgreich zu sein?
Wie werden Frauen selbst zu Vorbildern?
Frauen führen anders als Männer, aber führen sie deshalb schlechter? Wie sollten Frauen auftreten, um sich als gute Führungskräfte durchzusetzen? Etliche Studien zeigen, dass Unternehmen innovativer und erfolgreicher sind, wenn sie auch Frauen entscheidende Positionen bekleiden lassen. Warum beträgt der Frauenanteil in der Geschäftsführung des deutschen Mittelstands dann nur 16%, bei börsennotierten Unternehmen sogar nur 9%?
Kaum ein Thema ist in der deutschen Businesswelt so päsent wie die Frauenquote und kaum eines wird so leidenschaftlich verteidigt, belächelt und kritisiert. Frauen sind besonders stark in der Wahrnehmung und Kommunikation, in nuancierter Beziehungsintelligenz, Integrität im Arbeitsleben und kooperativer Innovation. Und trotzdem tun sich Frauen schwer, sich zu positionieren und sich für Führungsrollen zu empfehlen.
Männer gelten als durchsetzungsstark, risikobereit und konsequent. Sie konzentrieren sich eher auf das System, auf Prozesse und Strukturen. Frauen hingegen geht es darum, dass sich die Menschen im System wohlfühlen und darin entfalten können. Sie gelten daher als kommunikativ, empathisch und kollaborativ.
Business-Coach Britta Balogh sagt: „Weibliche Rollenvorbilder werden dringend gebraucht. Das gelingt nicht, wenn sie nur Rollenklischees erfüllen, sondern indem sie ihren Gestaltungsspielraum auf ihre eigene Weise ausfüllen.“ Ohnehin bringen Frauen alles mit, um gut zu führen. Folgende Charakterzüge sind für ein gutes Management wichtig:
Emotionale Stabilität
Extrovertiertheit
Offenheit für Ideen
Geselligkeit
Gewissenhaftigkeit
Stressresistenz
Frauen erzielen bessere Ergebnisse
2017 haben Wissenschaftler von der Norwegian Business School 2.900 Führungskräfte hinsichtlich ihrer Persönlichkeitsmerkmale mit den o. g. Charakterzügen untersucht. Das Ergebnis besagt, dass die Frauen im Durchschnitt auf bessere Ergebnisse kamen als Männer. Nur in Sachen Stressresistenz schnitten die Frauen schlechter ab, da sie sich häufiger und mehr Sorgen machen. Es spricht also wenig dagegen, mehr Frauen in Führungsverantwortung zu bringen.
Hindernisse und Fallen
Um auf eine Führungsposition zu gelangen, übernehmen nicht wenige Frauen männliche Verhaltensweisen, andere geben sich extrem weiblich. Von beidem rät Britta Balogh ab.
Besser ist es, die eigene Persönlichkeit ins Spiel zu bringen, selbstbewusst aufzutreten, was sich auch in Körpersprache und Stimme widerspiegelt, sowie einen freundlichen Ton anzuschlagen. Ein Kuschelkurs ist ebenso wenig angesagt wie übertriebene Härte oder Kälte.
Fazit: Frauen führen anders als Männer – das ist nichts Neues. Das Geschlecht allein reicht allerdings nicht aus, um sich als Vorbild zu qualifizieren. Denn Klischees sind nicht hilfreich, Erkenntnisse über die Unterschiede zwischen Mann und Frau hingegen schon. Britta Balogh sagt: „Wir Frauen sollten den Gestaltungsspielraum aktiv nutzen und unsere eigenen Qualitäten gezielt einsetzen. Unsere verbindliche Kommunikation und ein freundlicher Ton stehen unserem Durchsetzungsvermögen keinesfalls entgegen.“