Eigeninitiative - begehrt, befördert, begrenzt

Die Eigeninitiative gehört zu den begehrtesten Top-Soft Skills der Arbeitgeber. Mit 94 Prozent der Nennungen führt dieses Einstellungskriterium die Hitliste der Personaler an, hat die Staufenbiel-Beratung in ihrer Untersuchung "JobTrends" herausgefunden. Die Erwartungshaltung seitens der Arbeitgeber ist also hoch. Wird jedoch auch der benötigte Spielraum eingeräumt und wie steht es um die Kehrseite Ihrer Eigeninitiative?

Eigeninitiative heißt selbstständig zu handeln, eigene Entscheidungen zu fällen und die Verantwortung dafür zu übernehmen. Lassen Sie sich jedoch lieber Vorgaben machen und arbeiten diese gewissenhaft ab, gehen Sie damit auf Nummer sicher und werden bei der nächsten Beförderung eher nicht berücksichtigt. Ständig beim Chef Rückfrage zu halten, anstatt in Ihrem Aufgabenfeld selbst eine Entscheidung zu fällen und dazu zu stehen, kommt nicht gut an. Das toleriert man bestenfalls bei Berufseinsteigern. Um befördert zu werden fehlt Ihnen eine wichtige Kompetenz. Die gute Nachricht lautet: Sie können sie lernen und trainieren.

 

Benötigte Fähigkeiten

Selbstvertrauen, Motivation, Handlungsorientierung und Risikobereitschaft sind die Fähigkeiten, die Sie zur Ausübung von Eigeninitiative benötigen. Sie sollten sich und Ihrem Urteilsvermögen vertrauen und die Bereitschaft haben, das Risiko zu übernehmen, auch einmal eine falsche Entscheidung zu treffen. Wichtig dabei ist, dass Sie Ihre Gedankengänge und Ihren Entscheidungsweg schlüssig darlegen und damit Ihre (Fehl-)Entscheidung begründen können.

Motivation ist ein wichtiger Faktor, damit Sie ins eigenständige Handeln kommen. Arbeiten Sie nur routinemäßig ab, kann keine Eigenmotivation aufkommen. Hingegen gehen Sie mit all Ihren Fähigkeiten und Kenntnissen an eine Aufgabe heran, schauen rechts und links über den Tellerrand und ziehen Gedankengänge und Impulse auch außerhalb der Routinearbeit mit ein, sind Sie auf einem guten Weg zur verantwortungsvollen Eigeninitiative.

Damit dies gelingt benötigen Sie einen Handlungsspielraum, in dem Sie eigenverantwortlich agieren können. Diesen vereinbaren Sie üblicherweise mit Ihrem Chef oder Chefin, damit Sie den Rahmen kennen, in dem Sie sich bewegen können. Zu diesem Rahmen gehören eine Toleranz- und Fehlerkultur dazu, die allseits gelebt werden darf, also in der Unternehmenskultur verankert ist. Auch diesen Aspekt sollten Sie ansprechen und klar vereinbaren.

 

Die Kehrseite der Eigeninitiative

Eigeninitiative kann jedoch auch Neid, Frust, Blockaden und Verärgerung hervorrufen. Neid und Frust auf Seiten der Teammitglieder, weil Sie möglicherweise ob Ihres Engagements, Ihrer Weitsicht und Einschätzung von Risiken und Chancen vom Chef geschätzt, belobigt und befördert werden. Damit fühlen sich Teammitglieder schnell zurückgesetzt, sind frustriert, neiden Ihnen Ihren Erfolg und blockieren Sie in der Zusammenarbeit. Sie sehen in Ihnen den Konkurrenten, der sich in der Abteilung profilieren will, der immer der erste sein will, alles besser weiß oder mit nichts zufrieden ist.

Auch der Chef oder die Chefin können von Ihrem Engagement entnervt sein und Sie blockieren. Das passiert, wenn Sie über das Ziel hinausschießen und Veränderungsprozesse anstoßen, die sowohl die Vorgesetzten als auch die Teammitglieder aus der Komfortzone zwingen. Ihr Vorgesetzter könnte dadurch zu Entscheidungen genötigt werden, die er oder sie im Moment gar nicht treffen möchte. Dann wird es allen schnell zu viel. Sie werden als anstrengend wahrgenommen.

Zudem wird es problematisch, wenn Sie den gesteckten Freiraum für Ihre eigenen Ziele nutzen und nicht im Interesse des Unternehmens handeln. Das ist keinesfalls karrierefördernd, eher droht der Rauswurf.

 

Wie können Sie Eigeninitiative darstellen?

Z.B. in einem Bewerbungsprozess, oder firmenintern, um die Karriereleiter zu erklimmen?

In einem Bewerbungsprozess können Sie Ihre Initiative schon allein dadurch zeigen, in dem Sie den Hörer in die Hand nehmen und einen telefonischen Erstkontakt herstellen. Damit zeigen Sie Interesse und Engagement und heben sich von anderen Bewerbern ab.

Mit konkreten aktuellen oder vergangenen Beispielen belegen Sie sowohl in der Bewerbung als auch firmenintern Ihre Eigeninitiative. Schildern Sie Situationen, die zeigen, was Sie wann aus eigener Motivation heraus erfolgreich auf die Beine gestellt haben. Haben Sie z.B. während der Ausbildung eine Veranstaltung eigenhändig organisiert? Oder sich in einem Ehrenamt um Sponsoren gekümmert? Haben Sie aus eigener Initiative und mit Ihrem eigenen Engagement Situationen gerettet? Vielleicht haben Sie in Ihrem letzten Job Vorschläge zu mehr Kundenzufriedenheit oder Generierung von höheren Umsätzen eingebracht? Haben Sie aktuell konkrete Vorschläge zur Verbesserung von Arbeitsabläufen? All dies sind Beispiele, an denen Sie Ihre Stärken und Kompetenzen verdeutlichen können. Seien Sie aktiv und engagiert.

 

 Fazit:

Mitarbeitende sind umso innovativer, je selbstbestimmter sie handeln können. Damit es gelingt, sollten sie Einfluss und Verantwortung nehmen können und wollen. Beharrlichkeit, Ausdauer und eine transparente Kommunikation gehören ebenfalls dazu, denn nur damit lassen sich die Widerstände überwinden, mit denen viele Beschäftigte mit Eigeninitiative zu kämpfen haben.

Allerdings sollte Ihr Engagement mit Menschenkenntnissen, einem Gespür für günstige Gelegenheiten und einer positiven Ausstrahlung einhergehen. „Wer allein auf Eigeninitiative setzt, steht dagegen schnell als isolierter Störenfried da“ sagen Dr. Andreas Wihler und Prof. Gerhard Blickle vom Institut für Psychologie der Universität Bonn. Zusammen mit ihren Kollegen von der Florida State University (USA) haben sie eine Befragung verschiedenster Berufsgruppen zu diesem Thema durchgeführt.

„Eigeninitiative ist eine entscheidende Voraussetzung für den unternehmerischen Erfolg. Durch Eigeninitiative der Mitarbeitenden sind Unternehmer in der Lage, sich gezielt die richtigen Umwelten für ihr Unternehmen auszusuchen und diese dann mit ihrem Handeln zu beeinflussen (z. B. Identifizierung von Nischen und anschließende aktive Kundensuche)“ so eine Studie von Michael Frese und Katharina Tornau.

Allen Facetten Ihrer Eigeninitiative ist gemein, dass Ihr Handeln immer fokussiert und zukunftsgerichtet ist und auf Veränderungen abzielt, entweder bei Ihnen selbst oder in Ihrem Unternehmen, bzw. Ihrer Umwelt.

 

Wenn Sie Ihre Eigeninitiative überprüfen oder verbessern möchten, dann lade ich Sie bis zum 25. September 2020 zu einem kostenlosen Telefontermin ein. Kontaktieren Sie mich unter B@Balogh-Business.de,  Stichwort „Termin Eigeninitiative“.

Britta Balogh