Körpersprache – unterschätzte Kommunikation!
Körpersprache zu lesen und zu verstehen macht großen Spaß und hilft enorm, das gesprochene Wort richtig einzuschätzen. Es kommt eben ganz auf unsere Körperhaltung an. Darüber drücken wir – meist unbewusst – unsere innere Haltung, unseren Charakter, das aktuelles Befinden aus, wie z.B. Nervosität, Ablehnung, Unsicherheit, Begeisterung, Aufmerksamkeit, Energie, um nur einige zu nennen.
In meinen Seminaren kommt immer mal wieder der Einwand auf, dass wenn wir uns so bewusst und gesteuert bewegen, jegliche Natürlichkeit verloren geht. Ich kann beruhigen: Das wird nie der Fall sein. Denn so sehr wir es in bestimmten Situationen auch wünschen mögen, wir können uns nicht komplett kontrollieren – und das ist gut so. Und genau deshalb können wir auch aus der Körpersprache zusätzliche Informationen zum gesprochenen Wort herauslesen, denn es bleibt ein Spektrum an unbewussten Handlungen.
Stefan Verra, der Körpersprache-Experte spricht mir aus der Seele und bestätigt, was ich immer wieder erwähne:
Es sind oft die kleinen Details, die darüber befinden, ob Sie die nächste Stufe auf der Karriereleiter erklimmen können. Führungskräfte stellen dabei nicht alleine darauf ab, welche Aufgaben Sie im Job richtig und welche Sie fehlerhaft erledigt haben. Vielmehr wird auch in Ihrem gesamten Auftreten eine tragende Säule für die Zukunft gesehen. So etwa in der Frage der Kommunikation – in diesem Punkt sollten Sie neben der verbalen jedoch auch die richtige Körpersprache beherrschen.
Schauen wir uns 2 Situationen an:
Sie kommen zu einem Bewerbungsgespräch:
Natürlich dürfen Sie angespannt und vielleicht etwas nervös sein. Es geht ja schließlich darum, einen guten, interessanten und lukrativen Job zu ergattern. Mal abgesehen von Ihrem passenden Outfit und Ihrem gepflegten Erscheinungsbild, können geübte Augen noch viel mehr sehen und lesen:
Stehen Sie aufrecht, Kopf hoch, Schultern zurück, im schulterbreiten Stand, signalisieren Sie Selbstbewusstsein. Übertreiben Sie es und stehen zu steif da, dann zeigen Sie, dass Sie etwas hinter einer Fassade verbergen. Es deutet aber auch auf übertriebene Disziplin bis hin zu Unterwürfigkeit hin.
Hängen die Schultern jedoch leicht nach vorn, die Arme schlaff herunter, der Kopf eher geneigt, deutet es auf wenig Dynamik und Selbstbewusstsein, bzw. Unsicherheit hin. Unsicherheit zeigt sich ebenfalls im Sitzen in verknoteten Beinen, an sich herumzuppeln, unruhigen Händen, unruhigen Bewegungen. Dazu gehören auch ständiges Wechseln des Standbeins und kleine Schritte.
Ein breitbeiniger Stand – wie ein Cowboy – wirkt meist überheblich und zeigt Imponiergehabe. Das kommt nicht gut an!
Wenn Sie gebeten werden Platz zu nehmen, setzen Sie sich auf die ganze Stuhlfläche und halten die Beine im rechten Winkel. Die Herren bitte nicht breitbeinig wie Donald Trump. Auch das ist ein Dominanzgehabe und wirkt unangenehm. Die Füße um die Stuhlbeine zu wickeln oder die eigenen Beine zu verknoten, sowie sich nur vorn auf die Stuhlfläche zu setzen zeigt ebenfalls Unsicherheit und dass Sie eher auf der Flucht sind. Lassen Sie die Füße ruhig stehen oder ruhen, wenn die Beine übereinandergeschlagen sind. Ein Wippen könnte Nervosität oder Desinteresse/Langweile signalisieren.
Unsicherheit und ein „Fluchtreflex“ zeigt sich auch, wenn Sie nur die Fingerspitzen beim Gruß ergreift, anstatt die ganze Hand.
Natürlich verschränken Sie nicht die Arme vor dem Körper oder lehnen sich weit zurück. Damit schaffen Sie Distanz, zeigen Skepsis und Ablehnung. Das ist eher ungünstig bei einem Bewerbungsgespräch.
Und bitte die Damen: spielen Sie nicht (verträumt) mit einer Haarsträhne. Das ist ein Mädchen gebären und zeigt Verlegenheit und Nervosität. So stehen Sie nicht Ihre Frau und machen keine Karriere.
Sie sehen es gibt jede Menge Signale, die man dekodieren kann.
Was sind nun die positiven Signale: Schulterbreiter Stand, erhobener Kopf, Schultern leicht zurück, frontal zum Gesprächspartner stehen. Das signalisiert Offenheit und Selbstbewusstsein.
Spiegeln Sie die Körperhaltung Ihres Gegenübers. Es sei denn, es sind Negativsignale.
Bleiben Sie in Augenkontakt. Natürlich kann das Auge abschweifen, aber kehren Sie immer wieder zum Gesicht des Gesprächspartners zurück, wenn Sie Ihren Gedanken gefasst haben. Es zeigt Konzentration und Offenheit.
Ein dynamischer und passend zur Körpergröße ausladender Schritt zeigt Motivation, Elan, Tatendrang, Dynamik und dass Sie das Leben als Ganzes sehen und sich nicht in Details verlieren.
Zweites Beispiel:
Ich saß mit Kunden am Abend im Restaurant am Tisch. Neben uns saßen 4 Leute, ebenfalls an einem runden Tisch. 3 unterhielten sich zugewandt zueinander. Die vierte Person saß mit übergeschlagenen Beinen, verdrehtem Oberkörper, der zu uns zeigte auf seinem Stuhl. Sein Blick ging über seine Schulter zu den zwei der drei Anwesenden. Den dritten konnte er mit seinem Blick kaum erreichen. Mehr Ablehnung geht nicht und ich habe mich gewundert, wie die anderen drei dies den Abend über aushielten. Er wendet also seinen Gesprächspartnern den Rücken zu. Ein sehr starkes Signal der Ablehnung. Er schaut über seine Schulter, den einen oder anderen Redner an. Das ist als herablassend und geringschätzend zu werten. Alles in allem signalisiert diese Person null Interesse und wahrt in keiner Weise eine Form der Höflichkeit.
Sie sehen, nonverbale Kommunikation ist spannend und erzählt viel von uns. Es lohnt sich, ein wachsames Auge auf sich und alle anderen zu haben. „Wir können nicht nicht kommunizieren, aber wir können Sorge dafür tragen, was wir kommunizieren.“ Paul Watzlawick.