Verantwortung übernehmen? Ja - aber nee, ich war's nicht!


Grundsätzlich ist es ein Zeichen von Respekt und Anerkennung, wenn wir Verantwortung übertragen bekommen, denn es erweitert unseren Handlungsradius und unsere Selbstbestimmtheit, man traut uns Dinge über den Rahmen der Stellenbeschreibung hinaus zu und auch mit Erfolg und Niederlagen umzugehen. Häufig kommt es jedoch anders an, nämlich als auferlegter Druck, lästige Mehrarbeit oder gar Bestrafung. 

Haben wir die Verantwortung einmal übernommen, wie gehen wir und die Chefs dann mit Erfolg und Misserfolg um? Werden wir zur Rede gestellt, haben wir oftmals die verkehrte Wortwahl und verstricken uns in Rechtfertigungen. Das ist keine gute Reaktion, denn es schwächt das Standing und macht uns klein. Hier verlassen wir ein Gespräch auf Augenhöhe. Besser wäre es, die Beweggründe, die Motivation hinter der Vorgehensweise zu erklären.

Hinsichtlich der Wortwahl gilt gleiches für den Vorgesetzten. Die Schuldfrage und die Suche nach dem Sündenbock ist kontraproduktiv und spricht automatisch die Verteidigungsstrategie an. Die Frage nach der Verantwortlichkeit sollte zunächst nur der Klärung der Zuständigkeit dienen, im Sinne von wer am besten Auskunft geben kann, wer der richtige Ansprechpartner zur Klärung des Sachverhaltes ist. Herrscht jedoch im Unternehmen eine Schuld-Kultur und wird mehr über Probleme und deren Verursacher als über Lösungen diskutiert, dann ist es eigentlich kein Wunder, dass Verantwortung in den Köpfen vieler Mitarbeiter so negativ besetzt ist.

Was die Wortwahl angeht, so seien Sie achtsam: sprechen Sie von „man“, oder hören Sie Aussagen wie „Das konnte man ja nicht schaffen!“- dann wird das Problem von sich selbst weg auf eine allgemeine Ebene bewegt. Irgendjemand ist dafür verantwortlich, aber nicht ich. Geht es jedoch um Erfolg, sind wir alle schnell beim „Ich“. „Das ist meine Initiative/meine Lösung“.

Ein weiterer Satz zum Abwenden von Verantwortlichkeit lautet: „Ich habe es weitergeleitet“. Auch das signalisiert: ich bin raus, ich habe mich nur kurz gekümmert, aber die Umsetzung liegt bei jemanden anderen und für das Ergebnis bin ich nicht zuständig und habe auch gar kein Interesse daran.“ Gerade dieser Satz ist für Kunden und Vorgesetzte Gift. 

Je höher Sie in der Hierarchie aufsteigen, desto größer und weitreichender sind Ihre Entscheidungsspielräume. Unternehmen bezahlen ihre Mitarbeiter, Führungskräfte und Manager dafür, dass sie Verantwortung übernehmen und Entscheidungen im Sinne der Unternehmensziele treffen und tragen. Höhere Position, mehr Verantwortung, mehr Gehalt sind gute Gründe, um nach immer mehr Verantwortung zu streben. Der Anspruch sollten dann allerdings auch ge- und erfüllt werden.

Britta Balogh